35 Orte, 70 Termine und viele gute Gespräche: meine Tour durch NRW

Krisen werden dort bewältigt, wo Menschen füreinander einstehen. Die Krankenschwestern und -pfleger, die Ärztinnen und Ärzte, das Pflegepersonal in den Altenheimen sowie die Kassiererinnen und Kassierer in den Supermärkten haben unser Land am Laufen gehalten. Was ich aber auch gesehen habe: In diesen Bereichen gibt es viel zu tun, wir können nicht einfach weitermachen wie bisher. Die Mängel in der Gesundheitsbranche und im Pflegebereich sind offensichtlicher denn je.

Davon habe ich mich persönlich im Rahmen meiner Sommertour überzeugt. Beim Med Mobil Gesundheitszentrum, einem ambulanten Pflegedienst in Recklinghausen, habe ich mich bei den Mitarbeitenden über die Herausforderungen in Zeiten von Corona informiert. Die Pflegerinnen und Pfleger treffen auf alte und teilweise sehr kranke Menschen. Sie stehen ständig unter Zeitdruck auf ihrem Weg von Station zu Station. Corona verschärft diese Situation weiter, denn: Die zu Pflegenden sind unsicher und verängstigt angesichts der Epidemie, sie zählen zur Risikogruppe. Sie sind einsamer, weil Kontakte beschränkt wurden. Gleichzeitig sind die Pflegerinnen und Pfleger – soweit wie möglich – um körperlichen Abstand bemüht, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. Das belastet die Psyche auf beiden Seiten, wie mir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Med Mobil berichteten.

Zu Besuch im AWO-Seniorenzentrum in Moers: Gemeinsam mit den Angestellten und Vertretern der Gewerkschaft ver.di trete ich dafür ein, die Bezahlung für ihre Arbeit zu verbessern.

In Moers und Blomberg war die Einschätzung ähnlich: Bei meinem Besuch im AWO-Seniorenzentrum und bei der Diakonie erzählten die Mitarbeitenden von ihrer täglichen Hetzerei und dem Druck, sich für keine Patientin und keinen Patienten ausreichend Zeit nehmen zu können. Die Arbeitsbelastung ist zu hoch. Und die Bezahlung für diese wichtige und anstrengende Arbeit ist zu niedrig. Ich finde es absolut richtig, dass Mitarbeitende in der Altenpflege einen finanziellen Bonus erhalten haben. Aber es ist naiv, zu glauben, dass es damit erledigt ist. Wir brauchen einen flächendeckenden Tarifvertrag.

Auch die Behindertenhilfe ist systemrelevant. Bei der Lebenshilfe in Leverkusen, im Emilie-Hegemann-Haus der AWO Bochum und im Gespräch mit dem Team der Stiftung Eben-Ezer in Lemgo habe ich mitgenommen: Wir brauchen mehr Coronatests in den Einrichtungen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mir erklärt, wie schwierig es in der Zusammenarbeit mit behinderten Menschen ist, auf Distanz zu gehen und den Abstand zu wahren.

Das Team der Stiftung Eben-Ezer in Lemgo betreut insbesondere Menschen mit Behinderungen.

Über Distanz habe ich auch mit den Beschäftigten im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke gesprochen. Die Ärztinnen und Ärzte und das Pflegepersonal warnen eindringlich vor weiteren Lockerungen. Um Corona in den Griff zu kriegen, helfen nur Abstand, Maske und Hygiene. Und ich finde, das Personal in der Krankenpflege hat nicht weniger verdient als die vielen Pflegekräfte! Warum gab es für sie keinen Bonus?

Distanz ist ein schwieriges Thema in den Einrichtungen unseres Landes, in denen die Kleinsten betreut und gefördert werden. Ich fordere daher mobile Testteams in Zusammenarbeit mit den örtlichen Gesundheitsämtern für Erzieherinnen und Erzieher. Nur so kann der Regelbetrieb sichergestellt werden. In einem AWO-Kindergarten in Dortmund und in einer Kita in Herne freuten sich die Mitarbeitenden – und auch die Kinder – darüber, zur Normalität zurückzukehren. In meinen Gesprächen mit den Erzieherinnen und Erziehern bekräftigten sie meine Forderung.

Im Gespräch mit dem Team einer Kita in Herne.

Corona beherrscht das Alltagsleben der Schülerinnen und Schüler in NRW. Auch hier gilt meine Forderung nach mobilen Testteams für die Lehrerinnen und Lehrer unseres Landes. Digitales Lernen kann eine sinnvolle Ergänzung zum klassischen Präsenzunterricht sein. In Lünen habe ich dazu eine Veranstaltung besucht. Aber: Nur ein paar Computer vor die Schultür zu stellen, ist keine Digitalisierung der Schulen. Wir brauchen Köpfe, Computer und eine landeseinheitliche Strategie!

Neben dem Besuch von Bildungs- und Pflegeeinrichtungen führte mich meine Sommertour auch zu Unternehmen und Veranstaltern. So wurde mir beim Besuch im Westfalenpark vor Augen geführt, dass die Schausteller angesichts der Corona-Pandemie um ihre Existenz kämpfen. Denn: Kirmessen und sonstige kulturelle Veranstaltungen fanden in den vergangenen Monaten nicht statt und unterliegen immer noch hohen Auflagen. Wir brauchen nicht zuletzt angesichts dieser Einschränkungen ein besseres Sicherungssystem für Solo-Selbstständige. Ein Großteil von ihnen fällt durch das aktuelle Sozialsystem, wir müssen sie besser einbinden und absichern.

Auch in Duisburg kämpfen Menschen – Stahlarbeiter – um ihre Arbeitsplätze, während NRW Stahl aus China importiert. Das ist nicht fair! Ich habe mich mit dem Betriebsrat von ThyssenKrupp dazu ausgetauscht.

AVL Schrick bot einen interessanten Kontrast. Das innovative Unternehmen aus Remscheid leistet Beachtliches: Im Gespräch mit der Firmenleitung erfuhr ich, dass Jahr für Jahr 10 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert werden. AVL Schrick entwickelt alternative Antriebe und forscht rund um autonomes Fahren. Und dennoch ringt man auch hier mit den Auswirkungen von Corona.

Die Ingenieurinnen und Ingenieure von AVL Schrick haben diesen Motor entwickelt. Bei derartigen Dimensionen wird das Auto im Grunde um den Motor gebaut.

Bei den Stationen meiner Sommertour durfte selbstverständlich die Landwirtschaft nicht fehlen, denn: In NRW sind mehr als 35.000 landwirtschaftliche Betriebe ansässig. Für viele von ihnen war es im Frühjahr aufgrund der Corona-Pandemie schwierig, Erntehelfer zu finden. Doch das ist nicht Markus Burghoffs Hauptanliegen. Der Landwirt aus Remscheid hat mir von seinen Investitionen in Höhe von 800.000 Euro in den vergangenen Jahren berichtet. Mit 60 Milchkühen und 34,5 Cent pro Liter Milch geht diese Rechnung nur schwer auf.

Unterwegs mit großen Tieren: zu Besuch bei den Kühen von Landwirt Burghoff in Remscheid.

Meine Tour zu den Menschen in 35 Orten in Nordrhein-Westfalen hat mich noch einmal bestärkt: Die Forderungen, die die SPD-Landtagsfraktion vor der Sommerpause aufgestellt hat, sind für viele Menschen wichtig. Wir wollen alle Bereiche der Pflege stärken, das Bildungswesen zukunftsfähig ausrichten und auch diejenigen auffangen, die bisher in unserem Sozialsystem eine Nebenrolle spielen. Dafür setze ich mich ein!

Der Beitrag 35 Orte, 70 Termine und viele gute Gespräche: meine Tour durch NRW erschien zuerst auf SPD Fraktion NRW.

Originalbeitrag lesen: 35 Orte, 70 Termine und viele gute Gespräche: meine Tour durch NRW