Besuch der Mediengruppe beim LKA NRW

„Ohne Sicherheit ist keine Freiheit“ (Wilhelm v. Humboldt)

Am 25. Februar besuchte ich mit meinen drei Kollegen der Mediengruppe das Landeskriminalamt in Düsseldorf, um uns im Besonderen zum Themenbereich ‚Cybercrimes‘ zu informieren. In drei sehr knackigen Vorträgen stellte das LKA uns seine Arbeit vor – von der praktischen Ermittlungsarbeit bis hin zu Maßnahmen der Fallanalysen und Tätigkeiten im Bereich Prävention. Im weiteren fanden wir über die Handhabe der Vorratsdatenspeicherung, die Möglichkeiten & Notwendigkeiten für die Praxis einen regen Austausch und erhielten einen Erfahrungsbericht über Kooperationen des LKA.

Die steigende Internetkriminalität ist unübersehbar: Anonymous-Operationen sorgen weltweit für Furore, aber auch die Black Hat-Erpressungen, deren Tätergruppe vermutlich aus deutschen Jugendlichen besteht, verursachen durch Angriffe auf über 30 Online-Shops Schäden im Millionenbereich. Wie schnell und unverhofft jeder Nutzer betroffen und außer Gefecht gesetzt werden kann, wurde uns zu Beginn in einer kleinen Live-Hacking durch einen inszenierten Angriff eines Rechners durch einen Trojaner vorgeführt – selbst wir Netzprofis blieben an dieser Stelle kurz von einem mulmigen Gefühl ergriffen.

Internetkriminalität tritt in verschiedensten Ausführungen zum Vorschein: sei es in dem mißbräuchlichen Nutzen von Kontakten in sozialen Netzwerken, die z.B. in Entführungen münden, im Online-Verkauf von als Medikament getarnten Drogen oder gar in der quantitativ nicht zu unterschätzenden Verbreitung von kinderpornographischen Filmen. Bei Ermittlungen zu derartigen Vorfällen ist auf die dynamische IP abzustellen, da Spuren von Kriminalität im Internet ja nicht einfach mit herkömmlichen Spuren wie DNA oder dem klassischen Fingerabdruck nachvollziehbar sind. Dies ruft eine große Schutzlücke hervor, denn Provider halten die Daten maximal 7 Tage vor.

Während Internetkriminalität durchaus ein industrielles Ausmaß erreicht und die Dunkelziffer ohnehin ins Unermessliche reicht, könnte in Zukunft auch das gigantische Propagandapotential des Internets aus ideologischen Cybercommunities Keimzellen eines eventuellen Cyberterrorismus formen.

Folglich stellt Internetkriminalität eine der zentralen Bedrohungen unserer Zeit dar. Dem entgegenwirken könnte ein sogenanntes Quick-Freeze (vorübergehendes „Schockfrosten“ von Verkehrsdaten für Zwecke der Strafverfolgung).

Auf EU-Ebene ist im Jahr 2006 die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung erlassen worden (u.a., aber vor allem wegen der Anschläge in Madrid (2004) und London (2005)), die bei schweren Straftaten vorsah, Internetdaten mindestens 6 Monate und Telefondaten mindestens 12 Monate zu speichern.

Die Umsetzung in Deutschland hat aufgrund eines 2010 gefällten Urteils des Bundesverfassungsgerichts in der Form nicht funktioniert, da die Speicherung einen Eingriff in Art. 10 I GG (Telekommunikationsgeheimnis) darstelle und das Gericht daher die §§ 113a, 113b TKG i.V.m. § 100g StPO als nichtig erachtete. Soll verfassungsgemäß gespeichert werden, so dürfe nicht der Staat, aber Einzelunternehmen Daten bis zu 6 Monaten speichern und dies lediglich, wenn es sich um eine (schwerwiegende) Katalogstraftat handelt und bei anschließender Verwendung eine vorherige richterliche Anordnung, Verschwiegenheit und nachträgliche gerichtliche Kontrolle gegeben sind. Dies befindet sich seit 2011 in der Ressortabstimmung.

Die Tatsache, dass die Internetkriminalitätsrate mittlerweile bei über 20.000 Vorfällen liegt, führt zu einer stärkeren Bekämpfung ebendieser, was sich u.a. in einer Kooperation von LKA und BITKOM (Bundesverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) äußert. Die in der Kooperation entstandenen Lösungsansätze bestehen in gemeinsamen Arbeitskreisen, den gemeinsamen Kontaktstellen Polizei, Industrie, Geschädigte und dem PPP Modell (public-private-partnership = vertragliche Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und privatrechtlich organisierten Unternehmen). Ziel der Kooperationsvereinbarung ist die Förderung der Sicherheit der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie sowie die Bekämpfung der Computerkriminalität. Ferner sollen das Bewusstsein um Gefahren gestärkt und die Prävention fortentwickelt werden. Gegenseitige Hospitationen, die dem Markt Schaffen und Innovationen Initiieren dienen, sind dabei wichtige Handlungselemente.  Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit erstrecken sich bisher auf eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit bei der Dunkelfeldreduzierung mit der Perspektive, geschaffene Transparenz zu erhalten und einen gemeinsamen Ressourcenpool aufzubauen.

Das LKA kooperiert indes mit weiteren Partnern: in Köln organisierte das LKA mit der IHK Köln zahlreiche Großveranstaltungen zugunsten kleiner und mittlerer Unternehmen, darüber hinaus finden regelmäßige Hospitationen bei/mit IBM und Capgemini statt. Für 2013 sind aktuell die Präsentation auf der CeBIT und auf der SPIK (Bern) sowie Hospitationsmaßnahmen mit Symantec und Oracle geplant.

 

Zu Besuch im LKA – auf dem Foto u.a. Markus Röhrl (LKD LKA) , Wolfgang Gatzke (Direktor LKA), Rainer Lutermann (Dez.42 LKA), Helmut Picko (Dez.41 LKA), Alexander Vogt MdL, René Schneider MdL, Ernst-Wilhelm Rahe MdL und Lisa Steinmann MdL

Das LKA NRW ist hier im nationalen Vergleich ein großer Vorreiter – knapp 100 Mitarbeiter sind in zwei Dezernaten mit diesem Themenfeld beschäftigt – allein die Existenz der 24h-Hotline SPOC (Single Point of Conatct) als zentrale Anlaufstelle ist einzigartig und vorbildlich

Alles in allem ein spannender Tag und ein sach- und fachkompetenter Austausch, der von unserer Seite ein ‚Auftakt‘ war – und mit Sicherheit bald Fortsetzung findet. Kooperationen im Bereich der Medienkompetenz z.B. mit der Landesanstalt für Medien (LfM) gilt es auf- und auszubauen. Außerdem wollen wir uns auch noch intensiver mit der Rolle und den Aufgaben des Landespräventionsrates befassen.

Lisa Steinmann MdL

Als kleine Zugabe findet Ihr hier noch ein paar Filme – eine Free Ware, die gerne & vielfältig verbreitet werden darf – sechs kurze Filme zum Thema Medienkompetenz:

 

 Alle Filme sind auf der Seite des Landespräventionsrats zu finden.