Damit die Heilung, nicht die Diagnose bezahlt wird – ein Statement gegen die Fallpauschalen in der Kinder- und Jugendmedizin

Ich weiß, wie wichtig es ist, dass sich Kinderärztinnen und Kinderärzte Zeit für ihre kleinen Patientinnen und Patienten nehmen. Meine Tochter ist 15 Monate alt. Ich finde es schön, zu sehen, wenn ihre Ärztin sich Zeit für sie nimmt und erklärt, was als Nächstes passiert.  Schnellabfertigung funktioniert nicht, wenn man das Vertrauen eines Kindes gewinnen möchte. Und auch wir als Eltern fühlen uns besser aufgehoben, wenn das Praxis-Team auf unser Kind eingeht.

Was schon bei einem kurzen Praxisbesuch von Bedeutung ist, gilt umso mehr für Krankenhausaufenthalte von Kindern und Jugendlichen. Doch persönliche Zuwendung, Einfühlungsvermögen und eine Vertrauensbasis zu schaffen, kostet Zeit. Und genau diese sieht das Fallpauschalensystem nicht vor. In diesem wird für einen Krankheitsfall ein bestimmter Geldbetrag an das Krankenhaus bezahlt. Bezahlt wird die Diagnose, nicht die Heilung. Die Kinder- und Jugendmedizin leidet seit Jahren unter einer chronischen Unterfinanzierung durch dieses System. Das Modell der Fallpauschalen hat sich nicht bewährt.

Fallpauschalen sind in der Kinder- und Jugendmedizin nicht der richtige Weg

Als Abgeordnete für Castrop-Rauxel, Datteln und Waltrop tausche ich mich regelmäßig mit dem Personal der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln aus. Von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiß ich, wie aufwändig die Behandlung und Pflege von Kindern ist – sowohl menschlich als auch fachlich. Sie benötigen eine besondere persönliche Zuwendung. Da bedarf es einfühlsamer Worte, Fürsorge und Trost. So nehmen sich Krankenpflegerinnen und -pfleger nach einer Operation viel Zeit, um den kleinen Patientinnen und Patienten verständlich zu machen, warum sie sich schonen sollen. 

Das Fallpauschalensystem ignoriert diese besonderen Bedürfnisse. Das führt zu einem Versorgungsproblem in der Kinder- und Jugendmedizin: Seit 1991 haben deutsche Kliniken fast jede fünfte Kinderabteilung geschlossen, vier von zehn Betten in der stationären Kinderheilkunde wurden abgebaut – obwohl die Anzahl der Fälle nicht geringer ist als früher. Aber bedarfsgerechte Versorgung darf nicht davon abhängen, ob sie sich rechnet! Die Pädiatrie benötigt ein eigenes Finanzierungsmodell. 

Unsere Forderung

NRW muss die Initiative von Mecklenburg-Vorpommern zur Abschaffung der Fallpauschalen in der Kinderheilkunde unbedingt unterstützen. Die Initiative soll im September im Bundesrat behandelt werden. Über den entsprechenden Antrag der SPD-Fraktion entscheidet der Landtag NRW am 27. August. 

Dabei ist eine neue Finanzierung in der Kinder- und Jugendmedizin nur der erste Schritt, wir wollen insgesamt weg vom System der Fallpauschale.

Bild: stock.adobe.com/H_Ko

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