Erste feierliche Verleihung des NRW-Signets „Barrierefrei“ in Köln

Bei der Erstverleihung des vom Land NRW entwickelten Signets „Barrierefrei“ wollte ich heute natürlich nicht fehlen – insbesondere, wenn diese Auszeichnung an ein Hotel (das Radisson Blu) in unserer Stadt geht. Das von der Genossenschaft „Leben ohne Barrieren“ initiierte Projekt „Barrierefrei in Hotels“ steht unter der Schirmherrschaft von Elfi Scho-Antwerpes, Bürgermeisterin der Stadt Köln, und findet in Kooperation mit der städtischen Behindertenbeauftragten, Kölntourismus und der DEHOGA statt.

Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern des Berufskollegs Deutzer Freiheit hatte im Vorfeld das Hotel mit Simulationsbrillen, Rollstühlen, Rollatoren und Altersanzügen, die Seh- oder Hörschädigungen sowie Mobilitätseinschränkungen erfahrbar machen, getestet. Dabei stellte sich trotz speziell geschulten Personals, behindertengerechten Zimmern und rollstuhlgerechten Fahrstühlen noch Verbesserungsbedarf heraus. Laut Regionaldirektor Jürgen Wirtz hat das Hotel eine fünfstellige Summe in Umbaumaßnahmen investiert, um somit zum Pilotprojekt für Barrierefreiheit – wie einst für Umweltmanagement – zu werden.

Bei der von Hans Meiser schwungvoll moderierten Preisverleihung unterstrich Schulleiter Dr. Karl-Heinz Schneider die spannende Absicht des Projekts, „junge Leute zu sensibilisieren, dass Gesellschaft nicht perfekt ist.” Gut fand ich auch seinen Hinweis an die Hotelverantwortlichen, dass Maßnahmen gegen Barrieren nicht etwas Negatives, was nur Kosten produziere, seien, sondern das Signet vielmehr eine Aufwertung des Hotels darstellt. Detlev Bülles von „Leben ohne Barrieren“ betonte richtigerweise, dass nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Familien mit Kinderwagen, ältere Mitmenschen oder Lieferanten von der Barrierefreiheit profitierten. Das Thema Barrierefreiheit muss aus der  „Krankheitsecke“ herausgeholt werden und kann als Wirtschaftsfaktor vielmehr zu neuen Zielgruppen, mehr Umsatz, höherer Auslastung und Bindung von Kunden führen.

Bürgermeisterin Scho-Antwerpes stellte das im September 2009 vom Rat verabschiedete Handlungskonzept „Köln ohne Barrieren – eine Stadt für alle“ zur Kölner Behindertenpolitik heraus. Die meisten der 170 Maßnahmen aus dem umfangreichen Konzept werden schon in den nächsten 2 Jahren umgesetzt. Die Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik wird die Verwaltung bei der Umsetzung aktiv begleiten. Ganz klar ist, Menschen mit Behinderung sind keine Bittsteller, wenn sie Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe einfordern. Es geht vielmehr um die Verwirklichung ihrer Menschenrechte, um den Schutz ihrer Würde und Teilhabe an einer „Stadt für alle“. Köln wird hier Vorreiter werden!