Für bessere Bildung im Gespräch: Podiumsdiskussion zur Europäisierung der Hochschulen

Heute hatte ich einen mir sehr wichtigen Termin zum Thema Bildung. Gemeinsam mit dem Journalisten Armin Himmelrath, Autor des Buches „Handbuch für Unihasser“ (empfehlenswert!), Patrick Schnepper, studentischer Senator der Universität Köln, und einem interessierten Publikum diskutierte ich über die „Europäisierung der Hochschulen“.
Die als Bologna-Prozess bekannt gewordene Reform hat zum Ziel, durch die Einführung von Master und Bachelor europäisch vergleichbare Studiengänge und Abschlüsse zu schaffen.

Diese Grundidee finde ich auch richtig & wichtig! Problematisch ist allerdings die Umsetzung:
Anstatt die Lerninhalte angemessen zu überarbeiten, hat man diese in neue Strukturen gepresst. Die starke Verschulung der Abläufe, Anwesenheitspflicht u.ä. erschwert den Studenten, sich zu formen und eigene Interessen, Stärken und Schwerpunkte zu entwickeln. Seminare werden mehr oder weniger nach einem Zufallsprinzip vergeben, und die sogenannten ‚credit points‘ als Bewertungsgrundlage werden schon alleine an den Unis innerhalb von NRW so unterschiedlich eingestuft, und machen Vergleichbarkeit und Austausch kaum möglich. Außerdem gibt es viel zu wenig Masterplätze, nur knapp 25 Prozent der Bachelors ist ein solches Fortkommen vergönnt.
Bildung muss aber auch und ganz besonders zur Entwicklung selbst- und verantwortungsbewusster Persönlichkeiten beitragen! Armin Himmelrath sagte treffend: „Wir brauchen mehr Vertrauen, dass Menschen in der Uni zusammenkommen um zu lernen.“
Außerdem muss Bildung auch Raum für Teilhabe und Engagement schaffen, z.B. in der studentischen Selbstvertretung der Fachschaften und der politischen Bildung im Studierendenparlament. Zeit dafür bleibt bei dem straffen Pensum und unter der Belastung von Studiengebühren so aber kaum. 

Wir brauchen daher eine vernünftige und konsequente Weiterentwicklung (keine Abschaffung!) der Bologna-Reform. Wir als SPD fordern freiere Wahlmöglichkeiten bei Seminaren und Vorlesungen sowie flexible Studienstrukturen, die soziale Mobilität auch wirklich möglich machen. Darüber hinaus werden wir den Studienortswechsel vereinfachen und gemeinsam mit den Hochschulen kooperative Standards für die wechselseitige Abstimmung der Studieninhalte entwickeln, denn erst dann können wir die Chancen von Bologna und die internationalen Möglichkeiten des Hochschulsystems nutzen, den Bildungsstandort Deutschland zu einem attraktiven Dreh- und Angelpunkt zu machen, auch für unseren Fachkräftenachwuchs.

Mit Armin Himmelrath will ich das Gespräch gerne alsbald nach der Wahl noch einmal öffentlich fortsetzen – wir haben uns da noch viel zu sagen.