G 8 /G 9 Gute Schule. Beste Bildung- Kölner Anstoß beflügelt Bildungsdebatte der NRWSPD

Der Landesparteitag der NRWSPD befasste sich auch insbesondere mit Fragen der Bildungspolitik. Die KölnSPD hatte mit einem Antrag zu G8/G9 eine Debatte angestoßen und letztlich  Zustimmung bei den Verantwortlichen der LandesSPD bis hin zu Parteichefin Hannelore Kraft  gefunden. Die  stellvertretenden Vorsitzenden der NRWSPD Jochen Ott als Chef der  Antragkommission und Marc Herter haben aktuell ein flexibles neues Modell für G8/G9  vorgestellt. Die kompletten Texte könnt ihr hier und hier nachlesen.

Einen Videomitschnitt des Pressegespräches, im Rahmen dessen unsere stellvertretenden  Landesvorsitzenden Marc Herter und Jochen Ott unser Papier „Gute Schule.Beste Bildung.“ Vorgestellt und erläutert haben, findet Ihr hier.

Kernelemente des neuen SPD‐Modells sind: Mehr Zeit für Lernen und Leben. Die Sekundarstufe I wird wieder sechsjährig. Um die Dichte des  Lernstoffs und den damit verbundenen Druck bei den jüngeren Schülerinnen und Schülern am  Gymnasium wieder zu verringern, wird die Sekundarstufe I wieder auf sechs  Jahre verlängert und damit der Länge der anderen Schulformen angeglichen. Durch das regelmäßige Erreichen des mittleren Abschlusses nach der Klasse 10 auch am Gymnasium stärken wir die Abschlussverantwortung und erhöhen wieder die Durchlässigkeit zwischen den  unterschiedlichen  Schulformen in der Sekundarstufe I. Die Reform der gymnasialen Oberstufe erhält die Möglichkeit  für G8. Mit der regelmäßigen Verlagerung der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe in die letzte  Jahrgangsstufe der Sekundarstufe I (Klasse10) erhalten wir die Möglichkeit, nach acht Jahren am Gymnasium das Abitur zu machen. Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler gehen danach direkt in die Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe über. Sie, aber auch andere Schülerinnen und Schüler, werden wir künftig mit den zusätzlichen Förderstunden besser  unterstützen.

Durch die Option für ein zusätzliches Orientierungsjahr kommen alle mit. Vor dem Eintritt in die  Qualifizierungsstufe wird ein zusätzliches, der bisherigen Einführungsstufe nachgebildetes  Förderjahr angeboten. Dieses Orientierungs‐ und Förderangebot richtet sich neben denjenigen, die sich nach dem Abschluss der Sekundarstufe I nicht sofort einen Übergang in die Qualifikationsphase wünschen, auch an Seiteneinsteiger von anderen Schulformen sowie  Schülerinnen und Schülern mit Lernrückständen. Auch möglich: Ein Auslandsjahr vor dem  Übergang in die Qualifizierungsphase. Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler können die  Verkürzung in der Oberstufe auch als regelmäßige Option für ein Auslandsjahr nutzen, ohne dabei Lerninhalte zu verpassen.

Zur Erinnerung: am Anfang schien es ein guter Gedanke zu sein, das Gymnasium auf 8 Jahre zu verkürzen. Elternvertreter und Arbeitgeber waren sich einig, dass damit die beruflichen Chancen  der Jugendlichen deutlich steigen und international Bestand haben würden. Und in den neuen  Bundesländern klappte das ja auch. Auch die Politik war im Großen und Ganzen einverstanden Uneinigkeit gab es aber bei der Umsetzung. Während Rot/Grün eindeutig Unter‐ und Mittelstufe  bei behalten und nur die Oberstufe auf zwei Jahre verkürzen wollten, kürzten Schwarz/Gelb ausgerechnet in der Sekundarstufe I. Mit negativen Folgen: der Grundlagenstoff muss gnadenlos  durchgepeitscht werden, gerade die „Kleinen“ haben deutlich weniger Freizeit und Pubertierende  geraten unter hohen Leistungsdruck. Und als schwerwiegendste Folge gibt es an den Gymnasien  keinen mittleren Schulabschluss mehr. Für schwächere Schüler entfällt damit die Möglichkeit, sich nach einer „Mittleren Reife“ neu zu orientieren.

Eine grundlegende Korrektur erschien bei der erneuten Regierungsübernahme für die Schulen nicht zumutbar. Daher wurde versucht, gemeinsam mit Schulen und Lehrer‐und Elternverbänden  bei G8 nachzubessern: weniger Unterrichtsstoff, keine Hausaufgaben, mehr Ganztag sollten die  Belastungen für die Kinder und Jugendlichen verringern. Und die guten Ergebnisse beiden  Abiturprüfungen schienen diesen Weg zurechtfertigen. Aber dennoch blieben die Klagen von  Schüler‐ und Jugendverbänden und von Elternvertretern. Vor diesem Hintergrund hat sich die  KölnerSPD schon 2013 in einer Reihe von Veranstaltungen mit dem Thema beschäftigt und 2014  dazu ein Grundsatzpapier „Abitur im eigenen Takt“ geschrieben. Kernaussagen: zurück zu 6 Jahren Unter‐ und Mittelstufe und dann eine flexible Oberstufe mit 2 oder 3 oder auch 4 Jahren, je  nach persönlichem Leistungsstand. Ein gutes Modell, wie wir bis heute finden. Alles nachzulesen hier.

Leider gab es zunächst keine Unterstützung, auch nicht von Schulministerin Sylvia Löhrmann, die  starr bei ihrem „Reformkurs“ blieb. Aktuell verblüffte Frau Löhrmann die Öffentlichkeit, indem sie eine vollständige Flexibilisierung aller Schulformen und in allen Jahrgangsstufen propagierte. Was genau das heißt und wie das umgesetzt werden soll, verschweigt sie allerdings. Daher erntet sie  auch Unverständnis. Anders das SPD–Modell: das ist durchdacht und umsetzbar im laufenden Betrieb.