Gesunde Krankenhäuser in NRW – für Alle!

Allerdings sind wir als direkte Betroffene des aktuellen Systems von einer anderen Vorgehensweise zur Problemlösung überzeugt.

Viele der im Antrag dargestellten Probleme sind seit Jahren absehbar gewesen und verschärfen sich weiter. Die Corona- Pandemie hat hier quasi ein Brennglas auf die bereits bestehenden Probleme der Krankenhäuser, der Beschäftigten und der Patient*innen gelegt.

Nächstes Jahr bin ich 30 Jahre in meinem Beruf als Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin, als auch als Notärztin tätig.
Ich habe ein hochqualifizierte Aus- und Weiterbildung genossen.
Denn täglich waren Menschen in meinem Umfeld die mich lehrten, wie ich mein theoretisches Wissen in der Behandlung von Patienten richtig und zielführend anwende.
Es gab Zeit zum lernen und fragen, es gab Zeit handwerkliche Tätigkeiten unter Aufsicht zu üben.
In jedem unser Berufe im Krankenhaus war es selbstverständlich, dass genau dies notwendig ist um die Qualität unserer Patientenversorgung sicherzustellen, zu verbessern und einen Prozess des „lebenslangen Lernens“ aufrecht zu erhalten.
Diese Zeiten sind aber schon lange vorbei! Denn in unserem jetzigen Finanzierungssystem gibt es keine Abrechnungsmodalitäten für Aus- und Weiterbildung, für Fortbildung, für Forschung und Lehre. Dadurch verlieren wir unsere hohen Qualitätsansprüche jeden Tag ein wenig mehr, dadurch entstehen Fehler und langfristig sinkt das Niveau unserer Ausbildungen auf einen fragwürdigen Tiefstand.
Wer will so arbeiten?
 

Deshalb bedarf es aus meiner Sicht einer grundlegenden und nicht kleinteiligen Lösung, welche neben der vollständigen Übernahme der Investitionskosten durch das Land NRW vor allem die Abschaffung des jetzigen Fallpauschalen – Systems in der Refinanzierung der Krankenhausleistungen beinhalten muss.

Denn der Mensch steht nicht mehr im Mittelpunkt unseres Handelns- weder der Patient, aber erst Recht nicht die Arbeitnehmer*innen.
Gewinnmaximierung, Personalreduzierung und Restrukturierung haben Einzug in eine der wichtigsten sozialen Grundstrukturen gehalten.

Die meisten im SPD- Antrag aufgezeigten Defizite sind in der Kombination der fehlenden Baukostenfinanzierung durch das Land NRW und der falschen Profitanreize im DRG-Finanzierungssystem erst entstanden.
Wenn Krankenhäuser gezwungen werden Gewinne zu generieren, dann entstehen an vielen Schnittstellen Fehlanreize.
Selbstredend müssen Krankenhäuser wirtschaftlich arbeiten.
Gewinnorientierung ist aber der falsche Weg.

Investitionen, welche durch das Land nicht zu Verfügung gestellt werden, werden dann über Stellenreduktion und vermehrte teure operative Versorgungen und Outsourcing generiert.
Das heiß für die Mitarbeiter*innen in der Praxis:

  • Überstunden bis zum Umfallen da sonst die Versorgung unserer Patienten nicht gewährleistet ist
  • Regelhaftes Einspringen aus dem gesetzlich verankerten Frei- nur weil mal wieder die Personaldecke nicht reicht
  • Urlaubsverschiebung, weil zu viele Kolleginnen und Kollegen krank sind
  • Zeit für qualitativ hochwertige Aus- und Weiterbildungen fehlt zusehends.
  • Zeit sich um die Bedürfnisse der uns anvertrauten zu kümmern erst recht.
  • Gerade für die notwendigsten, unverzichtbaren Tätigkeiten zur Patientenversorgung ist überhaupt noch Zeit geblieben.

Inzwischen erkranken deutlich mehr Menschen an psychischen Leiden in unseren Berufen, als in irgend einer anderen Branche. In meinem Krankenhaus machen diese Erkrankungen inzwischen 45% der Fehlzeiten aus. Ich kenne inzwischen kein Krankenhaus mehr, welches nicht täglich gegen Arbeitszeitgesetz, Arbeitsschutzgesetz und gesetzliche Pausenregelungen verstößt.

Das sind die Gründe warum Menschen diese Berufe nicht mehr zur Ausbildung wählen. Hoher Arbeitsdruck, fehlende Erholung, das Wissen in diesem Beruf nicht die Rente zu erreichen und die fehlende Wertschätzung der so wichtigen und wertvollen Arbeit die wir alle leisten.

Der „Überlebensdruck“ der Krankenhäuser hat in den letzten Jahren derart zugenommen, dass kaum noch an den objektiven Bedarfen ausgerichtete Versorgung und übergreifenden Kommunikation über Trägergrenzen hinweg, geschweige denn Kooperation möglich ist.

Um jedoch Qualität, wohnortnähe und bedarfsorientierte Strukturen für alle Patient*innen zu schaffen, als auch gute und sichere Arbeitsplätze für die Beschäftigten, ist es zwingend notwendig, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Inzwischen bin ich Betriebsrätin und Arbeitnehmervertreterin. Damit ich meinen Kolleginnen und Kollegen eine Stimme geben kann und den Mut sich gegen diesen politisch eingeschlagenen Weg zu wehren.

Kein Pflegepersonalstärkungsgesetz, stärkt die Pflege oder macht unsere Berufe attraktiver,

die PpUGV ist ein Hohn wenn gleichzeitig von Qualität und Versorgung auf höchstem Standard gesprochen wird.

Weiterhin gibt es Tarifflucht, wenn nicht in den Krankenhäusern und den Altenheimen, dann durch Outsourcing und Fremdvergaben.

Daseinsvorsorge darf nicht auf dem Altar der Gewinnmaximierung geopfert werden. Krankenhäuser sind keine Fabriken. Eine gute und sichere Daseinsvorsorge ist ein Gewinn an sich.

Vor dem Hintergrund dieser grundsätzlichen Analyse zu Problemen und Lösungsansätzen für die dramatische Situation in den Krankenhäusern unterstütze ich die vorgeschlagenen Offensiven und Zukunftsprogramme, die sich im Antrag der SPD wiederfinden, insbesondere 

  • was die Ablehnung der immer weiter um sich greifenden Outsourcingtendenzen und damit Zersplitterung der Krankenhäuser und ihrer Belegschaften, 
  • was die Bereiche der klaren Ablehnung von Klinikschließungen als absehbare Auswirkung der neuen Krankenhausplanung im Abschnitt „Zukunftsprogramm „Gute Gesundheit vor Ort – Kein Kahlschlag in der Krankenhauslandschaft“ und
  • was die klare Positionierung zur Erfüllung der Investitionskosten durch das Land NRW und die Ermöglichung von Rekommunalisierung von Krankenhäusern angeht.

Susanne Quast

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