Hannah und Mathilda sind da. Und jetzt? Wie es nach dem Mutterschutz weitergeht und was das für unseren Alltag bedeutet

Aber der Mutterschutz ist endlich, Elternzeit gibt es in der Politik nicht und so beschäftigt mich immer wieder die Frage, wie es ab Februar weitergeht. Die beiden im Zug mit nach Düsseldorf zu nehmen wird schwierig, aber ich denke darüber nach, es wenigstens zu versuchen. Die Großeltern haben ihre Unterstützung angeboten und dass der Papa von Hannah und Mathilda dank Corona den ganzen Tag im Homeoffice ist, ersetzt zwar keine Betreuung, ist zwischendurch aber immer wieder eine große Hilfe.

In jedem Fall gibt es noch viele Fragen zu klären und einiges auszuprobieren. Zwar haben wir ab August einen Kitaplatz, aber das ist noch einige Monate hin. Für mich gehört dazu auch die Frage, was Vereinbarkeit eigentlich bedeutet. Heißt das, Kinder einfach „wegzuorganisieren“, damit die Arbeit wie vorher weitergehen kann? Oder bedeutet das, die beiden im Kinderwagen von Termin zu Termin zu schieben und zu hoffen, dass sie dabei möglichst ruhig sind?

Im Thüringer Landtag dürfen Kinder bis zu einem Jahr jetzt mit ins Plenum gebracht werden, wenn sie dort nicht stören. Wirklich praktikabel ist das alles nur bedingt und ganz sicher nicht im Sinne der Kinder. Für mich bedeutet echte Vereinbarkeit aber, dass diese im Sinne von Arbeit und Kindern stattfindet. Ich möchte, dass meine Kinder strampeln und spielen können. Dass sie an der frischen Luft spazierengehen können und Eltern haben, die nicht von einem Termin zum anderen hetzen, sondern Zeit mit ihnen verbringen und sich gemeinsam über jeden kleinen Fortschritt freuen. Gleichzeitig liebe ich meine Arbeit, den Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen, die Freude, zusammen etwas für andere zum Besseren zu gestalten. Ich weiß, dass diese Art von Vereinbarkeit derzeit nicht den Alltag vieler Familien und auch nicht den in der Politik widerspiegelt, aber ich verweigere mich dem Gedanken, dass das nicht trotzdem möglich ist.

Wenn unsere Parlamente nicht zu Männerrunden mit einer Vielfalt, wie man sie sonst nur bei der Bewerbung um den CDU-Parteivorsitz sieht, verkommen sollen, wenn wir unserer Demokratie auch gerecht werden wollen, wonach Parlamente ein buntes Abbild einer vielfältigen Gesellschaft sein sollten, dann müssen wir mehr tun, als Wickeltische auf jeder Etage anbringen und hoffen, dass Eltern das alles schon irgendwie unter einen Hut bringen.

Ich möchte, dass Politik auch für junge Frauen attraktiv wird, die Kinder haben und eine Familie gründen wollen. Und ich will, dass sie dabei nicht auf Fraktionsvorsitzende angewiesen sind, die es gut mit ihnen meinen, sondern dass wir strukturelle Rechte schaffen, so wie es immer Ziel der Sozialdemokratie war. Denn das Prinzip Hoffnung funktioniert nur, solange Mehrheitsverhältnisse großzügig sind und Frauen in Parlamenten von einem privaten Umfeld umgeben sind, das diese Vereinbarkeit auch erlaubt. Was aber ist, wenn eine Abgeordnete alleinerziehend ist, ein behindertes Kind zur Welt bringt oder eines, dass einfach nur betreuungsintensiver ist. Schon bei Zwillingen merke ich, wie sehr das Ganze an seine Grenzen kommt. Das aber kann nicht im Sinne einer parlamentarischen Demokratie sein, deshalb muss es darum gehen, eine Vereinbarkeit zu schaffen, mit der die Bedürfnisse von Kindern und Arbeitswelt in einer Balance stehen und nicht das eine zugunsten des anderen wegorganisiert wird.

Viele werden jetzt sagen, dass das in der Politik eben nicht funktioniert und Parlamente familienfreundliche Politik zwar beschließen, aber nicht vorleben können. Ich aber möchte nicht aufhören zu sagen, dass ein anderer Weg möglich ist und Politik damit auch für Eltern und junge Menschen endlich attraktiver wird!

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