Mädchen und Frauen vor Gewalt schützen

Mich selbst als Frau, aber auch als Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, bewegt dieses Thema sehr. Die Vereinten Nationen haben der Gewalt gegen Frauen sogar einen Tag gewidmet: Seit genau 40 Jahren machen zahlreiche Organisationen und auch Parteien jedes Jahr am 25. November auf den „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ aufmerksam. Es ist wichtig, dass es diesen Tag gibt – und traurig, dass dies im 21. Jahrhundert überhaupt noch nötig ist.

Erschreckende Zahlen

Dass dem so ist, zeigen schon die Zahlen aus unserem Bundesland: In NRW wurden 2019 799 Frauen getötet, 307 von ihnen durch einen (Ex-)Partner bzw. eine (Ex-)Partnerin. 29.155 Fälle von häuslicher Gewalt wurden 2020 erfasst – ein Zuwachs von 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und die Corona-Pandemie mit mehreren Lockdown-Phasen hat die Situation weiter verschärft. In Gesprächen mit Beschäftigten in Beratungsstellen und Frauenhäusern zeigt sich der deutliche Anstieg von Anfragen um Hilfe. Es ist mir ein großes Anliegen, dass wir hier Angebote ausweiten, um betroffene Frauen im Notfall auch zuhause in ihren eigenen vier Wänden erreichen zu können.

Mit der sogenannten Istanbul-Konvention hat sich Deutschland verpflichtet, Schutz- und Hilfedienste – neben Hilfeeinrichtungen gehört zum Beispiel auch die juristische Unterstützung dazu – für gewaltbetroffene Frauen bereitzustellen. Trotzdem stelle ich fest: An der Umsetzung in NRW hapert es nach wie vor. In einem gemeinsamen Antrag mit den Grünen fordern wir daher von der Landesregierung, dass sie niedrigschwellige, bedarfsgerechte und auskömmliche Strukturen schafft.

Mädchen und Frauen in Afghanistan

Doch unser Blick sollte an diesem wichtigen Tag nicht alleine auf Deutschland gerichtet sein. Mit großer Sorge betrachte ich die Situation in Afghanistan. Die rasante Machtübernahme durch das Taliban-Regime nach dem Truppenabzug der westlichen Streitkräfte hat die Lage der Mädchen und Frauen vor Ort dramatisch verändert: Ihnen werden Bildungsangebote wieder weitestgehend verwehrt – ganz abgesehen von der Gefahr für Leib und Leben. Humanitäre Hilfe wird hier dringend benötigt! Die Entwicklungen der letzten Monate zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, auf unterschiedlichen Ebenen einer Gesellschaft unentwegt zusammenzuarbeiten, um Mädchen und Frauen zu schützen.

Mein Appell

Wir dürfen die Augen nicht verschließen! Mein Appell lautet: Jede und jeder Einzelne ist gefragt und gefordert. Wir dürfen nicht wegschauen, wenn uns im Alltag etwas auffällt. Wir können auf Hilfsangebote hinweisen. Wir können aber auch einfach für die Betroffenen da sein. Mit Solidarität und Hilfsbereitschaft können wir der Gewalt in unserer Gesellschaft gemeinsam die Stirn bieten.

Bild: pexels-kat-smith-568021

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