Meine sechs Wochen bei Lisa

von Rebekka Schlieper

Was erwartet eine politisch nicht aktive Studentin bei einem Praktikum im NRW-Landtag, dem Herzstück der NRW-Politik? Genau das wollte ich vor sechs Wochen herausfinden und hoffe nun, potentiellen künftigen Praktikanten einen Ratschlag geben zu können.
Ich bin zwar politisch interessiert, jedoch hatte ich als Jurastudentin des dritten Semesters eine recht theoretische Sichtweise auf die Einbringung, Behandlung und Veröffentlichung von Gesetzen. Diese Sichtweise führte jedoch zu dem großen Interesse an der praktischen, „gelebten“ Politik.

Ich war während der sechs Wochen sozusagen „Lisas Schatten“, sodass ich einen sehr genauen Einblick vom Leben und Schaffen einer Politikerin erlangen konnte.
Meine Aufgaben während der sechs Wochen bezogen sich hauptsächlich auf die Arbeit mit Lisas inhaltlichen Schwerpunkten Kultur- und Medienpolitik sowie Kommunalpolitik.
Neben dem Schreiben von Artikeln, Recherchieren und Organisieren, konnte ich die verbleibende Zeit aber auch selbst gestalten. Dies habe ich dazu genutzt, interessante Ausschüsse zu besuchen und die im Plenum geführten, äußerst brisanten Diskussionen zu verfolgen.

In den Ausschüssen und Arbeitskreisen habe ich viel über das Leistungsschutzrecht, OpenNRW, die Bürgermedien, den Lokaljournalismus und die Zusammenlegung der Rats- und Bürgermeisterwahlen erfahren. Es war höchst interessant, den politischen Meinungsbildungsprozess mitzuerleben und die Gründe für die Schaffung von Gesetzen aus erster Hand zu erfahren anstatt eine Kurzform ebendieser den Medien zu entnehmen. In meiner freien Zeit habe ich oft den Rechtsausschuss besucht, um mich dort über aktuelle Geschehnisse wie den Ausbruch eines Gefangenen aus der JVA Werl oder Gesetzesvorhaben (z.B. „Jeder JVA ein eigener Drogenspürhund“) zu informieren.
Das wohl Spannendste war jedoch das Verfolgen interner Abläufe innerhalb einer Fraktion, sei es unter Genossen oder in der Fraktionssitzung, die in der Form nicht an die Öffentlichkeit gelangen und mir persönlich gezeigt haben, wie viel Herzblut ein mancher in seine Projekte steckt. Die Tatsache, dass nicht nur in der und für die Öffentlichkeit, sondern auch hinter geschlossenen Türen stark gekämpft wird, lässt mich mit einem sehr beruhigten und positiven Gefühl hieraus gehen.

Eins der politischen Highlights war außerdem die Rede des Präsidenten des EU-Parlaments, Martin Schulz, der ein überzeugter und überzeugender Europäer ist und seine Anliegen auf so eindrucksvolle, aber auch kritische und reflektierte Art und Weise vertritt, sodass ich den sofortigen Wunsch verspürte, mich unverzüglich in der Europapolitik zu engagieren.

Ein persönliches Highlight bestand in Lisas Jungfernrede im Plenum zur Stärkung der kommunalen Demokratie, deren Diskussionen und Vorbereitungen, die schließlich in ebendieser mündeten, ich von Beginn an mitverfolgen konnte.

Mein Fazit lautet: Ein Praktikum bei Lisa, aber auch im Landtag generell, ist sehr empfehlenswert, denn Politik wird plötzlich greifbar und die Debatten in Ausschüssen waren äußerst interessant und in Bezug auf tagespolitische Themen sehr lehrreich.
Ich bin jedoch nicht nur von der politischen Lisa Steinmann, ihren Ansichten und Projekten überzeugt, sondern auch von dem Menschen Lisa Steinmann überwältigt: Sie lebt tatsächlich die bürgernahe Politik, sie nimmt sich für jedes einzelne Bürgeranliegen Zeit, sie sieht in dem Menschen nicht den Wähler, sondern die Person, dessen Situation sie verbessern möchte und in den Mitarbeitern nicht das zuarbeitende Personal, sondern ein gut funktionierendes Team, ohne aber dabei den eigenen roten Faden zu verlieren.
Für Ihre Zukunft wünsche ihr alles erdenklich Gute und möchte mich an dieser Stelle für eine interessante, spannende, schöne, einfach unvergessliche Zeit bedanken!