Neue Medien auf dem Vormarsch – erschreckend aber der Verlust von Vielfalt in der lokalen Berichterstattung und bei Tageszeitungen

Studie zum „Lokaljournalismus in NRW“ fordert mehr Fortbildung für Journalisten

Während die Zeitungsvielfalt in Nordrhein-Westfalen einen enormen Rückgang erleidet, nehmen lokaljournalistische Angebote im Internet zu. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Lokaljournalismus in NRW – Situation und Ausblick“ des Formatt-Instituts, die uns im vergangenen Ausschuss für Kultur & Medien von Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren vorgestellt wurde.

Laut Studie ist insbesondere die inhaltliche Aushöhlung der Berichterstattung ein großes Problem. Zwar habe sich im Einzelnen der Umfang der Lokalteile erhöht, allerdings nehmen ‚Kooperationen zwischen Redaktionen‘ zu und die Übernahme von Lokalteilen benachbarter Ausgaben höhlt die Vielfalt in der lokalen Berichterstattung aus.

Neben dieser quantitativen Reduzierung sei auch ein Qualitätsmangel in der inhaltlichen Gestaltung der Lokalberichterstattung zu erkennen. So findet man in den Lokal- und Regionalteilen kaum mehr andere Textarten als den Bericht – Reportagen, Interviews oder Kommentare sind die absolute Ausnahme. Dies liegt unter anderem an der mangelnden Teilnahme von Journalisten an Fortbildungen, was aber – wie die Reduzierung der Lokalberichterstattung – insgesamt durch den Personalabbau in den Redaktionen bedingt.

Das zunehmende Angebot an lokaljournalistischen Onlineportalen könne diese qualitative Lücke – noch – nicht schließen. Diese arbeiteten nicht wirtschaftlich und seien daher in ihrer Berichterstattung sehr eingeschränkt. Das gelte zwar nicht für die Portale der Medienverlage, auf denen aber i.d.R. auch keine neuen Inhalte veröffentlicht werden, sondern die sich meist auf eine Zweitverwertung der gedruckten Beiträge beschränken. Dennoch liege bei den Online-Medien das größte Potential für eine differenzierte Lokalberichterstattung, gerade weil die Zugangsschwelle für die Gründung eines solchen Portals sehr gering sei.

Die Studie schlägt zur Verbesserung der Situation vor, die Fortbildung von Journalisten zu fördern. Dies sei für die Qualität der Berichterstattung zwingend geboten, und könne den wirtschaftlichen Zwängen in den Redaktionen entgegen wirken. Außerdem sei es sinnvoll, die Online-Portale auf angemessene Weise zu unterstützen und zu beraten.

Diese Anregungen wurden im Ausschuss kontrovers diskutiert. Wer jedoch eine funktionierende Demokratie auch auf kommunaler Ebene will, muss auch eine vielfältige und qualitativ hochwertige Berichterstattung auf lokaler Ebene sicherstellen.
Wir werden in der SPD-Mediengruppe und im Ausschuss ausführlich darüber beraten, wie wir den Journalismus vor Ort am besten stärken können.

Lokaljournalsimus in NRW – Situation und Ausblick