Personaloffensive – JETZT: Podiumsdiskussion zeigt, was in Bildungspolitik zu tun ist

Zum Ende einer intensiven Diskussion bringt Eva-Maria Voigt-Küppers, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag NRW, die Aufgabe auf den Punkt: „Es ist fünf vor zwölf. Wir brauchen zugkräftige Instrumente, um dem Personalmangel zu begegnen.“ Die Herausforderungen sind groß. Denn die Bilanz der schwarz-gelben Landesregierung ist schlecht. Etwa 4.000 Lehrerinnen- und Lehrer-Stellen in NRW sind unbesetzt. Bis zum Jahr 2025 werden mindestens 26.300 Absolventinnen und Absolventen alleine für das Grundschullehramt fehlen. Die Folgen: größere Klassen, Unterrichtsausfall und mehr Arbeit für die vorhandenen Lehrkräfte.

Wir sind der Meinung: So geht es nicht weiter. Wir brauchen eine Personaloffensive, die unseren Kindern beste Bildung ermöglicht. Darüber haben wir mit Fachleuten auf einer digitalen Podiumsdiskussion gesprochen, moderiert von Jochen Ott, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag NRW. Viele verfolgten den Stream aus Düsseldorf und beteiligten sich mit ihren Fragen und Wünschen.

Der Erziehungswissenschaftler und emeritierte Professor der Universität Duisburg Essen, Klaus Klemm, beschreibt als einer der Teilnehmenden auf dem Podium die aktuelle Lage: „Der Lehrkräftemangel in den Grundschulen ist massiv. Das ist eine Folge der Ausbildung in den 10er-Jahren, die auf die geburtenschwachen Jahrgänge ausgelegt war. Jetzt gibt es mehr Kinder als erwartet und der Lehrkräftemangel ist erheblich.“

Heike Wiemert, Professorin im Fachbereich Sozialwissenschaften an der Katholischen Hochschule NRW, lenkt den Blick auf den Offenen Ganztag. „Ich begrüße den Rechtsanspruch auf Ganztag sehr, habe aber große Bauchschmerzen, ob wir das in der Zeit erreichen können, die wir anpeilen“, sagt Wiemert. Denn: „Im Ganztag trifft uns nicht nur der Lehrkräftemangel, sondern auch der Mangel an multiprofessionellen Teams – zum Beispiel Sozialarbeiter:innen.“ Für die Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer hat sie einen Vorschlag: „Wieso können wir nicht Lehrer:innen durch zusätzliche Assistenzkräfte von organisatorischen Aufgaben entlasten, damit sie sich stärker auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren können?“

Dietmar Bell ist seit 2010 Mitglied des Landtags und Sprecher des Arbeitskreises Wissenschaft. Er nennt Ansätze, dem Mangel an Lehrkräften zu begegnen. „Wir brauchen mehr Quereinsteiger. Dafür muss es eine Zusammenarbeit mit den Hochschulen geben, um entsprechende Qualifizierungen zu ermöglichen“, sagt Bell. Zudem thematisiert er die Vergütung der Lehrkräfte. „Wir müssen die Besoldung A13 für alle Lehrämter einführen – im Interesse einer ausgeglicheneren Verteilung der Lehrkräfte auf alle Schultypen, um die frühe Festlegung auf die besser vergüteten Stellen an zum Beispiel Gymnasien zu vermeiden.“ Aktuell verdient eine Grundschullehrerin zum Berufseinstieg etwa 640 Euro weniger als ihre Kollegin am Gymnasium. Das ist ungerecht, finden wir.

„NRW hat die rote Laterne, was die Bildung in der Schule angeht: Deutschlandweit wird hier am wenigsten pro Schüler:in investiert“, beklagt Sebastian Krebs, Lehrer und stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW (GEW). Krebs sagt: „Eine Attraktivitätssteigerung der pädagogischen Berufe ist vonnöten – von der Kita über die Grundschule bis hin zur weiterführenden Schule. Man muss die Perspektive haben, ein attraktives Gehalt zu erreichen.“

Wir wollen diese Impulse aufnehmen und streben mit unserem Leitantrag zur Bildungspolitik eine bessere personelle Ausstattung an. Dafür wollen wir unter anderem alle Lehrkräfte mit der Besoldungsstufe A13 bezahlen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Ganztag müssen volle und unbefristete Stellen erhalten können. Für die Schulsozialarbeit müssen schnellstmöglich verbindliche Standards erarbeitet und die Finanzierung gesichert werden. In der frühkindlichen und schulischen Bildung darf niemand in prekären Arbeitsverhältnissen stecken. Mit diesen und weiteren Maßnahmen gewinnen wir das notwendige Personal für beste Bildung. Packen wir es an: Personaloffensive – JETZT!

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