Stahlkonferenz in Siegen: Ein starkes Zeichen für den Stahlstandort NRW

Die Deutschen Edelstahlwerke in Siegen – sie stehen für das Stahlland NRW. Eine Branche, die 45.000 Beschäftigten im Land Arbeit gibt. Eine Branche, die unzertrennlich zur Industrie in NRW gehört. Eine Branche, vor der große Herausforderungen liegen. Denn: Stahl soll grün werden und zum Klimaschutz beitragen. Milliardenschwere Investitionen in neue Anlagen und erhöhte operative Kosten auf dem Weg zur Klimagerechtigkeit sind notwendig. Wie dieser Weg gelingen kann, haben wir mit Fachleuten auf unserer Stahlkonferenz bei den Deutschen Edelstahlwerken in Siegen aufgezeigt.

Thomas Kutschaty, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag NRW, macht deutlich: Wir stehen an der Seite der Beschäftigten und an der Seite der Stahlindustrie. „Denn Stahl ist für Zukunftstechnologien und -märkte ein Grundstoff, der eine Schlüsselrolle für das Funktionieren von Wertschöpfungsketten hat. Sei es in der Automobilbranche, der Windenergie, der Elektromobilität oder der Bau- und Verkehrsinfrastruktur sowie bei Wasserstoffanwendungen“, sagt Thomas Kutschaty: „Eine moderne Stahlindustrie ist daher im ureigensten Interesse des Wirtschaftsstandortes  NRW.“

Die Landesregierung kümmert sich dennoch viel zu wenig um die Branche. „Sie lässt Vorschläge für die Unterstützung der Stahlindustrie vermissen“, sagt Thomas Kutschaty. „Die SPD-Landtagsfraktion setzt sich dagegen für eine aktive staatliche Industriepolitik ein, die eine sozialverträgliche und ökologische Modernisierung der Branche umgehend vorantreibt.“

Frans Timmermans, Vize-Präsident der EU-Kommission, unterstreicht ebenso die Bedeutung der Stahlindustrie. „Es ist unvorstellbar: ein Europa ohne Stahlindustrie. Wir müssen alles dafür tun, dass es weiterhin diese Stahlindustrie in Europa gibt. Und wir werden auch Stahl brauchen in der Zukunft – und das muss grüner Stahl sein“, sagt er. Bei der Transformation ist aus seiner Sicht wichtig, die Belegschaften mitzunehmen: „Ich glaube, wir müssen unseren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Sicherheit geben, dass sie nicht alleine gelassen werden auf dem Weg.“ Dazu gehöre es, dabei zu helfen, neue Kompetenzen aufzubauen.

Anke Rehlinger betont, wie bedeutsam es ist, den Transformationsprozess praktisch anzugehen. „Es ist wichtig, dass man jetzt vom Reden ins Tun kommt – das gilt insbesondere für die Stahlindustrie“, sagt die stellvertretende Ministerpräsidentin des Saarlands. Ihre Forderung: „Wir müssen dafür sorgen, dass das Thema ,Ausbau erneuerbarer Energien‘ nicht mehr als Randthema wahrgenommen wird. Wenn wir den grünen Stahl vorantreiben wollen, dann müssen wir den Ausbau gezielt voranbringen.“

Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall in NRW, rückt die Rolle der Beschäftigten besonders in den Fokus: „Wir werden keine Transformation – egal welcher Industrie – hinkriegen, wenn die Menschen, die dort arbeiten, Angst davor haben.“ Menschen würden bei Veränderungen mitgehen, wenn sie sich sicher fühlen. „Diese Rahmenbedingungen müssen wir schaffen“, so Giesler.

Samir Schneider, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Bad Laasphe im Siegerland, unterstreicht: „Ganz wichtig beim Transformationsprozess ist, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Die Unternehmen, die Mitarbeitenden und die Politik.“

Helmut Renk, Vorsitzender des Betriebsrates von Thyssenkrupp Steel in Kreuztal, lenkt den Blick auf die Nachwuchssorgen der Branche: „Es ist schwierig, in der Region Nachwuchs zu finden. Und wenn die Stahlindustrie in der öffentlichen Diskussion immer wieder negativ erscheint, fördert das nicht die Entscheidungen der jungen Menschen für uns.“

Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, sieht diese Herausforderung ebenso und ergänzt: „Wir stehen hier in unserer stark industriell geprägten Region vor zwei großen Herausforderungen: Das ist zum einen der drohende Fachkräftemangel und zum anderen die Dekarbonisierung, die nicht zu einer Deindustrialisierung führen darf.“ Industrie sei dann stark, wenn sie an vier Punkten gut aufgestellt sei. „Das sind zum einen Köpfe. Wenn immer mehr junge Menschen studieren und nicht mehr für das Gewerbe zur Verfügung stehen, haben wir Probleme. Das ist zum zweiten Fläche. Die brauchen wir. Der dritte Punkt ist die Kommunikation, also der Ausbau von Breitbandverbindungen. Und zum vierten ist es der Verkehr. Wenn die Verkehrsanbindung kritisch wird, ist das schlecht für produzierende Unternehmen“, sagt Gräbener.

Die Ideen, Konzepte und Vorschläge der Fachleute auf dem Podium bestärken uns in unserem Einsatz für eine zukunftsfähige Stahlindustrie in NRW. Thomas Kutschaty stellt ein Fünf-Punkte-Programm für eine erfolgreiche Transformation vor.

Das sind unsere Forderungen:

Erstens: Wir fordern einen vom Land NRW organisierten Stahlgipfel gemeinsam mit den übrigen Ländern der Stahlallianz und den Tarifpartnern.

Zweitens: Wir können uns eine Landesbeteiligung vorstellen, um Stabilität und Perspektive in der Transformation der Stahlbranche zu geben.

Drittens: Wir benötigen einen Transformationsfonds von 30 Milliarden Euro bei der NRW.Bank für Unternehmen. So stellen wir sicher, dass große wie auch kleine und mittlere Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette aller Stahlrouten langfristige Unterstützung in der Transformation bekommen.

Viertens: Wir treten für eine Ausbildungsoffensive Stahl ein. Maßnahmen wie ,Gute Berufsschule 2030‘ und eine Ausweitung des Programms ‚Kein Abschluss ohne Anschluss‘ werden dazu beitragen, dem eklatanten Fachkräftemangel im Stahlbereich entgegenzuwirken. Teil dieser Offensive ist auch eine Ausbildungsgarantie. Wir müssen die jungen, klugen Köpfe wieder dazu bringen, in die Stahlindustrie zu kommen.

Fünftens: Wir fordern die Förderung eines Leitmarktes für ,klimaneutralen Stahl‘. Dazu soll unter anderem eine Quote für grünen Stahl bei öffentlichen Aufträgen des Landes NRW und der Kommunen beitragen.

„Mit diesem Fünf-Punkte-Programm helfen wir der Stahlbranche im NRW auf dem Weg zu einer erfolgreichen Zukunft. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren, sondern müssen den Prozess jetzt angehen“, sagt Thomas Kutschaty. Wie wichtig das ist, hat die Stahlkonferenz in Siegen allzu deutlich unterstrichen.

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