Anreize für Beschäftigte und starke Ausbildung gegen Fachkräftemangel an Kitas

Regina Kopp-Herr lässt keinen Zweifel. „Es brennt in der Hütte“, sagt die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag NRW gleich zu Beginn der digitalen Debatte „Dringend gebraucht – zu wenig geschätzt? Fachkräfte in der frühen Bildung.“

Die Herausforderung: Die Kitas in Nordrhein-Westfalen stehen vor einem großen Fachkräftemangel. Das darf nicht sein, denn: Die frühkindliche Bildung ist der Grundstein für den Bildungsweg eines Menschen. Doch schlechte Arbeitsbedingungen, keine flächendeckende Ausbildungsvergütung sowie die Kombination von geringen Perspektiven bei viel Verantwortung beschreiben das Berufsbild. Regina Kopp-Herr und Dennis Maelzer, familienpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW, machen daher deutlich: Um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen, müssen die Arbeitsbedingungen dringend verbessert werden.

Doch wie können die Qualität der Ausbildung erhalten und Anreize für die Arbeit in einer Kita geschaffen werden? Um darüber zu sprechen, haben wir Fachleute eingeladen und mit mehr als 200 Gästen diskutiert.

Marlene Seckler, Gewerkschaftssekretärin für den Sozial- und Erziehungsdienst bei ver.di NRW, macht zunächst deutlich, wie gut das Personal in unseren Kitas qualifiziert ist: „Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen sind so gut ausgebildet, dass sie Kinder individuell fördern können.“ Doch die Fachkräfte-Misere hat massive Folgen. „Es gibt zu wenig Personal, um alle Kinder tatsächlich individuell zu fördern“, sagt Seckler. Ein frustrierender Umstand.

Thorsten Klute, Vorstandsmitglied bei der AWO Ostwestfalen-Lippe, gibt einen Einblick in den Arbeitsalltag vor Ort: „Die Menschen sind hochmotiviert.“ Doch die Corona-Pandemie sorgt für zusätzliche Belastungen. „Zermürbend“ nennt Klute diese Zeit. „Von unseren 123 Kitas kommen die Meldungen positiver Fälle teilweise im Stundentakt“, sagt Klute. Steigende Arbeitsbelastung, Fachkräftemangel und seit zwei Jahren noch Corona – eine problematische Situation. Was nicht im Verhältnis zum gestiegenen Betreuungsbedarf gestiegen sei, sei die Zahl der Ausbildungsplätze für Berufe der frühkindlichen Bildung an den Berufskollegs, sagt Klute. Daran müsse man ansetzen.

Klute lenkt den Blick ebenso auf die Kita-Gebühren. „Kita ist eben nicht nur Betreuung, Kita ist Bildung. Warum erheben wir Gebühren für das Bildungssystem Kita?“ Die SPD-Fraktion setzt sich für eine flächendeckende Abschaffung der Kita-Gebühren ein.

Heike Wiemert bestätigt, die steigenden Anforderungen an das Kita-Personal. „Der Erziehungsauftrag in den Kitas hat sich in den letzten Jahren massiv gewandelt – das sieht man am Beispiel der Inklusion oder bei der Digitalisierung. Darauf wurden die Beschäftigten nicht vorbereitet“; sagt die Professorin für Theorien, Konzepte und Methoden der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule NRW. Ihre Forderung: „Wir müssen im Grundsatz vom Kind aus denken.“

Um den Fachkräftemangel zu meistern, braucht es fraglos Anreize für das Personal. „Wie sind die Entwicklungsmöglichkeiten, welche Aufstiegschancen habe ich? Das sind Fragen, die einen Beruf attraktiv machen“, sagt Professorin Sonja Damen, Studiengangsleitung Kindheitspädagogin der Fliedner Fachhochschule. Dennis Maelzer unterstreichet den Handlungsbedarf: „Es muss auch Aufstiegsmöglichkeiten für die Erzieherinnen und Erzieher geben. Und das muss auch mit einer Qualitätsverbesserung für die Einrichtung einhergehen.“

Die Debatte bestätigt: Das Land muss sich endlich um Fachkräfte für die Kitas kümmern – für ein gutes NRW von morgen.

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